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ein begrabenes dorf, sexzeitschriften und volle hosen

Angahuan, ein Doerfchen in der Naehe von Uruapan hat uns heute mehr als beeindruckt und uns auch mehr als nur ein Abenteuer bereitet. An der Bussi am Rande des Dorfes hat uns "Lazaro" mit einem Pferd schon empfangen. Mit seinen uebriggebliebenen Zaehnen und den tiefen Falten in seinem dunklen Gesicht, fuehrte er uns zu den restlichen Pferden. Unterwegs erzaehlte er uns stolz, dass er im Gegensatz zu den meisten Dorfbewohnern, die in Puréchepa, einer indigenen Sprache kommunizieren, Spanisch spricht. Auf die Pferde und los gehts!!! Schon der Ritt durchs Dorf ist echt interessant. Nur Einheimische und wir. Jeder Blick in einen Hauseingang bietet buntes Familien- oder Handwerkertreiben. Die kleinen Frauen spazieren muesig mit ihren bunten Kleidern durch die staubigen Strassen, Kinder und Hunde rennen Baellen hinterher und die Maenner mauern neue Haueschen oder unterhalten sich mit Gleichgesinnten. Wir verlassen das Doerfchen auf staubigem und steinigem Weg. Unser Ziel ist naemlich die Kirchenruine, die einziges Ueberbleibsel eines von Lava begrabenen Dorfes ist. Schon vom Huegel aus sehen wir die Kirchturmspitze. Wir reiten hinunter ins Tal. Eine halbe Stunde spaeter kommen wir an dem grossen versteinerten Lavabrocken an. Die Pferde lassen wir hier zurueck und besteigen das begrabene Dorf. Wow, das ist echt Wahnsinn! Wie kleine Kinder klettern wir auf den Steinen herum, unter uns ein ganzes Dorf und im Hintergrund ruht ganz friedlich der Vulkan. Von der Kirche ist der Turm und der hintere Teil des Schiffes uebrig geblieben. Kurz vor dem Altar hat die Lava Halt gemacht, so dass das Jesuskreuz unversehrt blieb, was der Bevoelkerung natuerlich Anlass zu wunderbaren Theorien gegeben hat. Auch der Rueckritt ist super-angenehm, die Sonne verabschiedet sich am Horizont und wir uns vom Doerfchen Angahuan.

Ab hier endet auch die romantische Idylle. An der Bushaltestelle fragt uns ein LKW-Fahrer, ob er uns mitnehmen kann. Die gute Stimmung der vergangenen Stunden noch im Herzen und aus leichtfuessiger Abenteuerlust springe ich in den Zement-Lader und reise Anke und Pedde fast ungefragt mit. Anke mit aehnlichem Anmut und Pedde fragt uns mit beinah "vollen Hosen", ob das wirklich unser Ernst sei. Naja, los gehts! Anke und ich finden am Rande der Schlafkaschemme Platz. "Oh, schau mal, Zeitschriften, Anne! Da steht drauf: Ratas de Cama. Was heisstn das?" Schluck!!! Auch die glasig gelben Augen des Fahrers wecken wenig Vertrauen. "Das fetzt voll, ich mach mal ein Foto" Auch Pedde macht Anstalten seine Kamera auszupacken. "Lasst sie lieber da, wo sie sind!", sag ich und fange ein Gespraech mit dem Typen an. Ich erzaehle ihm, dass in Uruapan schon Freunde auf uns warten wuerden und im Anschluss will er ungewoehnlich viele Details ueber Anzahl, Herkunft und genauen Aufenthaltsort dieser erfundenen Freunde wissen. Mittlerweile ist es draussen dunkel. Anke und Pedde sitzen beide, obwohl sie kein Wort verstehen in gleicher Stimmung neben mir: Anke mit leichtglaeubigem Abenteuerfeeling und Pedde schweigend mit rasendem Puls. Ehrlich gesagt wird auch mein mulmiges Gefuehl im Bauch und meine "Was -machen-wir-wenn-Gedanken" im Kopf immer staerker. Ein Dorf, bitte ein Dorf, wann kommt denn endlich ein Dorf? Und endlich, unsere Chance. Ich erzaehle dem Fahrer, dass sich unsere Freunde bestimmt schon sorgen. Und dass wir besser den Bus nehmen, der sei schneller. Er versucht noch zu erzaehlen, dass doch sein tuckernder Schwertransporter schneller in der Stadt sein werde. "Ja, glaub ich gern, aber ausserdem muss ich ganz noetig aufs Klo", ob er nicht hier gleich jetzt sofort schnell anhalten koenne. Mit eher unerfreuter Miene bremst er und laesst uns raus. Puh! Ich bin wirklich erleichtert, Anke hopst um mich herum und beteuert nochmals, wie toll sie das alles fand und Pedde sagt nur mit immernoch angespannter Stimme: "So was muss ich ni nochma hamm, Maedels." Dann kommt der Bus und nimmt uns drei wohlbehuetet mit in die Stadt...

3.3.07 05:07
 


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