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3. kulturelle mist!verständnisse

…ja, die gibt’s hier zu genüge und nicht nur, weil mein Spanisch immer noch relativ dürftig ist. Mann mann mann und ich dachte, ich hätte mich gut auf alles vorbereitet, nur weil ich meinen Reiseführer und andere schlaue Ratgeber gewälzt habe. Ja, wie die Leute so drauf sind und wie sie wirklich leben, bekommt man halt doch erst nach ner Weile mit. Als Touri-Mädel wird man auf der Straße oft angesprochen, Pfiffe und unverständliche Kommentare, die irgendwelche Typen mit unverkennbarem Unterton brabbern sind auch alltäglich und mittlerweile reg ich mich schon gar nicht mehr drüber auf und hör das auch alles schon gar nicht mehr. Das alles wusste ich ja vorher schon und hab mir auch extra meine Haare dunkel gefärbt, damit ich nicht so raus
steche, mann ich war ja sooo schalau!!! – Pustekuchen – für die Leute hier bin ich immer noch superblond. Ich bin echt so blöd…ich will meine alten Haare wieder haben! Naja…weiter im Text: Habe ja inzwischen einige Mexis gefunden, mit denen ich mich supi versteh und die auch auf meiner Wellenlänge sind. Aber ich merke immer mehr, wie krass wir doch alle von unserer Nationalität bzw. allen Faktoren, die damit zusammenhängen, wie Erziehung, Bildung, Idealvorstellungen, blablabla, determiniert sind. So offen manche Leute auch sind, viele Regeln und Gewohnheiten sind für mich echt neu, anstrengend und schwer nachzuvollziehen. Was am meisten nervt, ist, dass fast alle noch bei ihren Eltern wohnen…manchmal bis sie 30 oder älter sind – na ja….kann man verstehen, da sich viele keine eigene Bude leisten können. Die Begleiterscheinungen sind hier aber meiner Meinung nach echt übertrieben. Klar, Mexiko-Stadt ist nicht die sicherste Gegend, aber wenn die Eltern permanent an der Strippe hängen, um sich zu erkundigen, wie es den lieben „Kleinen“ geht und ob auch ja alles in Ordnung ist und wann sie denn nach Hause kommen, da krieg ich echt ne Malle. Und diese Sorge der Eltern färbt total auf ihre Zöglinge ab. Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, dann MUSS der Mann auf der Seite der Straße laufen – immer! – es könnte ja sein, dass ich aus Versehen vom Bürgersteig (was für ein tolles deutsches Wort) plumpse, natürlich brauch ich auch keine Tür selbst öffnen – ob nun Haus- oder Autotür. Und im Dunkeln allein nach Hause laufen? Um Gottes Willen!!! Für die Leute hier bin ich lebensmüde. Das alles ist mir manchmal zu viel und zu engstirnig. Ich bin ganz schön genervt von solch übertriebener Höflichkeit und Sorge. Es gibt Situationen, die machen mich wirklich aggressiv, da könnte ich „…laut schreien und nurnoch explodiern!“
Was sonst noch nervt: …dass ich zwar viele Freunde habe, aber wenige Freundinnen. Das habe ich auch schon von anderen „Ausländerinnen“ gehört. Es ist echt schwierig, an die Mädels hier heranzukommen – sie sind oft noch zickiger und stutenbissiger als wir (ja, es gibt ein „Wir“ und ein „Ihr“ bzw. „Sie“…das ist irgendwie traurig, aber so ist es nun mal wirklich). Das Konkurrenzdenken ist ziemlich stark ausgeprägt und das ist superschade! Die Buben….ja, wie gesagt, kann mittlerweile viele Freunde nennen, aber trotzdem sind manche Sachen etwas verzwickt. Die Mexis bilden sich ziemlich schnell ein, verliebt zu sein und selbst Leute, von denen man dachte, ey cool, watn guter Kumpel…. da hätt ich schon so manchmal flennen können. Ich will doch einfach nur mögen und gemocht werden, nüscht weiter! In den letzten Tagen hatte ich echt n bissl Heimweh und es ist mir alles ziemlich eng geworden in der riesen Stadt. Es ist schwierig manchen Personen zu verklickern, dass es JA möglich ist, ihren Horizont zu erweitern…und dann muss ich feststellen, dass es nicht das „Problem“ einer besonderen Person ist, sondern dass manche Sichtweisen eindeutig kulturabhängig sind …und dann merke ich…auch wenn’s sich vielleicht grenzwertig anhört…ich bin Deutsche und ihr seid Mexikaner. Ich hoffe ich drücke mich da nicht missverständlich aus, ich will damit einfach nur sagen, dass ich hier erfahre, welchen enormen Einfluss doch eigentlich die kulturellen Hintergründe auf das Denken und Wesen der Menschen haben.
Andererseits gibt es gerade hier am Goethe-Institut Leute, damit meine ich Lehrer, die Deutsche Sprache und Landeskunde unterrichten, die diese Unterschiede zu krass wahrnehmen und daraufhin in ähnlichem Grad an die Schüler weitervermitteln. Ich bin echt manchmal ganz schön geschockt, was hier für derbe Kulturklischees besprochen und diskutiert werden. Da heißt es nicht selten so: „Wir Deutsche…sind soundso…ihr Mexikaner… seid soundso“. Und dann wird alles rausgekramt aus der Klischeekiste – unglaublich, was da den Leuten aufgetischt wird.

27.11.06 22:25
 


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