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2. die kunst der allgemeinen Fortbewegung

„Neulich bin ich mit hundertzwanzig, auf meinem Fahrrad rumgefahrn…“ Ja, aber leider nur in meinen Träumen, denn mit dem Fahrrad in dieser Stadt…?

Fortbewegungsmittel Nr. 1 für mich war am Anfang die Metro. Wie hab ich doch meine Tasche festgekrallt aus Angst davor, dass mir all die bösen Menschen hinterrücks und gemein meine Sachen klauen wollen. „Aber bleib mal locker, Anne“ – sag ich mir inzwischen – „Wer Schwäche bzw. Schiss nach außen zeigt, braucht sich nicht zu wundern, wenn dann tatsächlich mal die Moneten fehlen“. Nee, s is halt alles halb so wild. Klar hört man die wilden Storries, die mit Sicherheit auch Wahres bergen, aber bis jetzt hab ich alles noch beisammen. Außerdem ist Metro fahren immer sehr unterhaltsam, deshalb auch selten was für müde und schwache Nerven bzw. Knochen. Denn zu frequenten Zeiten ist nichts mit Sitzplatz, dafür bieten sich immer mehrere Schultern zum anlehnen. Langweilig wird’s auch nicht, in der Metro gibt’s was fürs Auge und fürs Ohr. Von Haltestelle zu Haltestelle, also von Wagon zu Wagon streifen die unterschiedlichsten Verkäufer und Unterhalter und sorgen dafür, dass man auf keinen Fall zur Ruhe kommt. Kaugummi, Lolly, Wasser, Aufkleber, Schokolade… in tragbaren CD-Playern werden nahezu alle Musikrichtungen angeboten – vorzugsweise Reggaeton und sozialerweise auch in, für Schwerhörige adäquater, Lautstärke, Famillienbands mit mexikanischen Rhythmen, Fakire und allermöglicher Trubel.  Dafür ist sie mit ganzen 2 Pesos (weniger als 20 Cent) sehr billig und man kommt relativ unkompliziert überall hin. Ich mag sie sehr die liebe Metro auch wenn sie zwei entscheidende Nachteile hat: erstens fährt sie nachts nur bis 12.30 und zweitens sieht man nicht, wo man lang fährt und das sorgt für Verwirrungen meines sonst so gut ausgeprägten Orientierungssystems.

Eine alternative – zumindest für Kritikpunkt 2 ist da der Metrobus. Er fährt entlang der „Insurgentes“, der längsten Straße ganz Lateinamerikas (wurde mir zumindest so erzählt). „Gucke ma OHHH, or gucke ma gucke ma OHHH, or gucke ma gucke ma OHHH, or siehd das scheen aus!“ sag ich da immer, weil ich plötzlich sehn kann, was es so alles Tolles zu sehen gibt entlang so ner großen Straße. Was der kostet habe ich allerdings noch nicht so richtig geschnackelt. Man braucht dafür eine Chipkarte, die hin und wieder aufgeladen werden muss und ich verpeil es immer, mir zu merken, wie viel ich auflade bzw. wie viel mir abgezogen wird. Oft kommt es auch vor, dass mich die Leute auf ihre Chipkarte durchgehen lassen…warum auch immer.

¿Qué más?  …Taxi ... nicht gerade mein bevorzugtes Fortbewegungsmittel, aber wenn es dann mal dazu kommt, dann ist auch das eine lustige Sache. Die meisten Taxifahrer haben keinen Plan, wo es langgeht …doch, haben sie wohl, aber in Form einer Straßenkarte, die sie mir in die Hand drücken. Ich suche mir dann die Straße raus und lotse mich und meinen Chauffeur dahin. Aber allein in der Nacht traue ich mir auch nicht Taxi zu fahren.

Wenns also mal später wird, findet sich immer jemand, der mich mit dem Auto nach Hause fährt. Und jeder wartet immer, bis ich auch wirklich im Eingang verschwunden bin. Die ham schon manchmal übertriebene Angewohnheiten, aber dazu später mehr. Ja,  „…jeder Popel fährt nen Opel, jeder Affe fährt nen Ford, jeder Blödmann fährt n Porsche, jeder Arsch nen Audi Sport … jeder Spinner fährt nen Manta, jeder Dödel Jaguar…“ Viele Leute haben hier ein eigenes Auto – was zu späten Stunden super praktisch ist. Tagsüber kann es allerdings vorkommen, dass man für eine Strecke von 5 km mehr als ne Stunde braucht. Ich habe hier schon ganze Nachmittage im Auto verbracht. Wenn man dann endlich mal da angekommen ist, wo man hin wollte, fängt die Sucherei nach nem Parkplatz an. Die Mexikaner lassen sich dabei gar nicht aus der Ruhe bringen und drehen in aller Gemütlichkeit ihre Runden – ich könnt da ne Krise kriegen! Es gibt hier überall so private Parkplätze, wo man sein Auto samt Schlüssel abgibt, auch viele Restaurants (und nicht nur die schicken) haben ihren eigenen Parkservice. Das ist so komisch, da kommen fremde Leute und parken dein Auto ein… Die Wenigsten stellen ihr Auto einfach so am Straßenrand ab – es sei zu gefährlich. Seitdem letzten Sonntag direkt vor meinem Fenster ein Baum einfach so, aus heiterem Himmel auf ein Auto gefallen ist, versteh ich das in Ansätzen.

Das von mir meist genutzte und geliebte Fortbewegungsmittel soll hier auch noch kurz erwähnt werden – es sind meine Füße. Auf die kann ich mich (fast) immer verlassen, aber in dieser Stadt machen die schon öfters mal schlapp.

Alles in allem spielt der Verkehr hier eine nicht unwesentliche Rolle in meinem Alltag. Ich wohne an einer großen Kreuzung und meine Fenster sind alles andere als dicht. Früh am Morgen gegen 5 beginnen die Verkehrspolizisten mit dem Pfeifenterror. Ich blick da nicht durch, es gibt genügend Ampeln und trotzdem stehen an jeder größeren Kreuzung diese Pseudopolizisten mit ihren blöden Trillerpfeifen rum.

Eins steht fest, ich vermisse mein Fahrrad, denn „nur Genießer fahren Fahrrad und sind immer schneller dahaaaaa.“

24.10.06 21:28
 


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